VISUM
Agentur für Fotodesign und Bildjournalismus
VISUM ist eine international tätige Fotoagentur mit Sitz in Hamburg. Kunden sind Buchverlage, Werbeagenturen, Zeitungen und Zeitschriften weltweit. Das Bildarchiv ist online recherchierbar. Wir nutzen die modernsten Suchtechnologien der Bildbranche, wie PICTUREMAXX und FOTOFINDER. Das Bildangebot der Agentur wird täglich aktualisiert. Über die Jahre haben wir ein Netzwerk mit mehr als 100 Vertragsfotografen aufgebaut. Mit Hilfe von Partneragenturen werden unsere Fotos weltweit vermarktet.
VISUM: eine Fotografenagentur
VISUM wurde 1975 von den Fotografen André Gelpke, Gerd Ludwig und Rudi Meisel gegründet und ist damit Deutschlands älteste Fotografenagentur sowie Wegbereiter und Vorbild späterer Agenturgründungen. Bei Fotografenagenturen kommen neben den Vorteilen einer Bürogemeinschaft die gemeinsame Organisation und eigene Verwertung des Bildarchivs hinzu. VISUM-Fotografen sahen bei der Gründung einer eigenen Agentur aber einen noch sehr viel weitergehenden Vorteil: die Qualitätssicherung durch gegenseitige Bildkorrekturen.
Dass 5 Individualisten eine GmbH gründen fand 1978 das ZEITMAGAZIN ungewöhnlich und daher berichtenswert. „Wie funktioniert die Verbindung zwischen Kunst und Kommerz", fragte das Magazin in seiner Ausgabe zur Photokina 1978. Eine Antwort wurde schon in der Überschrift geliefert: „Die Gruppe sieht mehr". Gemeint war die Durchsetzung des eigenen Qualitätsanspruchs: „Keine Reportage, kein wichtiges Foto verläßt die Agentur ohne gemeinsame kritische Auswahl".
Der Anspruch an die eigene Qualtät und auch der sichere Umgang mit der Farbfotografie bescherten VISUM-Fotografen in den Anfangsjahren einen schnellen Erfolg. Die aufstrebenden Farbmagazine vergaben interessante Aufträge für Fotoreportagen und verschafften VISUM eine große Medienpräsenz. Links: Reportage im ZEITMAGAZIN über die "Fahrschule für Kapitäne der größten Tanker der Welt" von Gerd Ludwig, 1977; rechts: Reportage über das Saarland in GEO, ebenfalls von Gerd Ludwig, 1978.
VISUM ist auch heute noch in Besitz von Fotografen. Mit fotografischen Gruppenprojekten und Fotoausstellungen fördert die Agentur auch weiterhin den gemeinsamen Austausch unter Fotografen und die Diskussion über Fotografie.
Ein Fernsehteam zu Gast bei VISUM. "Hamburg-Visuell", ein Gruppenprojekt Hamburger VISUM-Fotografen, fand im Herbst 2010 reges Medieninteresse (links, Foto: Kahlbrandt & Kahlbrandt). In der VISUM-Galerie bei der Vernissage von Wolfgang Steches Ausstellung "Arbeit für immer", Frühjahr 2011 (rechts).
Zeitgeschichte und Mediengeschichte
Mit ihren fast 40 Jahren hat VISUM nicht nur deutsche Nachkriegsgeschichte miterlebt sondern ganz intensiv auch Mediengeschichte. VISUM und ihre Fotografen sind Teil dieser Mediengeschichte, insbesondere des Bildjournalismus. Einer Umfrage des Bundesverbandes der Pressebild-Agenturen und Bildarchive (BVPA) zufolge, sind nicht einmal 15% der deutschen Bildagenturen älter als 1980. Viele Bildagenturen wurden im Laufe der Jahrzehnte aufgekauft oder haben den einen oder anderen Strukturwandel der Medienbranche nicht überlebt.
Vom Kanzler im Tief zur Kanzlerin in Slow-Motion: VISUM-Fotografen begleiten seit fast 40 Jahren die Zeitgeschichte der Bundesrepublik, wie hier Wolfgang Steche mit seinem Titelfoto des SPIEGEL 1980 oder Stefan Boness mit einer stillen Beobachtung Angela Merkels, abgedruckt 2010 in Newsweek.
Die Geschichte schlägt sich nicht nur nieder in den Personen der Politik, den gesellschaftlichen Diskussionen sondern auch im Erscheinungsbild der Topographie. 1980 symbolisierten auf dem MERIAN-Titel die westberliner Gedächtniskirche und der ostberliner Funkturm die Trennung der Stadt (Foto von Rudi Meisel). 30 Jahre später ist die Trennung überwunden. Fotografen müssen nicht lange nach neuer Symbolik suchen, die Stadt ist voll mit neuer Architektur wie dem neuen Hauptbahnhof (fotografiert von Jürgen Pollak).
Unten: Nicht immer ist der Lauf der Zeit dem Foto sofort anzusehen. Rudi Meisel und Thomas Pflaum fotografierten beide Industriearchitektur im Ruhrgebiet. Jedoch mit unterschiedlicher Intention. Für MERIAN fand Rudi Meisel 1980 in Duisburg ein Motiv, dass Arbeitskultur und Freizeitkultur im Ruhrgebiet auf einem Bild zeigte. „Heute besinnt man sich wieder auf die heimische Kohle, die Hütten laufen auf Hochtouren", schrieb MERIAN damals. 30 Jahre später fotografierte Thomas Pflaum die Zeche Zollverein in Essen. Der Industriebau gehört heute zum Welterbe der UNESCO und ist ein Symbol für den inzwischen vollzogenen Strukturwandel im Ruhrgebiet.
Es ist kein Geheimnis, dass der Bildjournalismus in Deutschland in wissenschaftlichen Betrachtungen über den Journalismus eher stiefmütterlich behandelt wird. Gerade aber der Wandel von analoger zur digitaler Fotografie und der Wandel von Print- zu Onlinemedien bietet spannende Geschichten, die es Wert sind, festgehalten zu werden. Allen Notwendigkeiten des Tagesgeschäfts zum Trotz sind wir uns unserer Tradition bewußt und möchten unsere Möglichkeiten dazu nutzen, retrospektiv die Veränderungen im Bildjournalismus, wie wir sie erlebt haben, zu beschreiben und zu kommentieren. Dazu haben wir auf unserer Website einen Blog eingerichtet, auf dem wir, in loser Reihenfolge, auf Entwicklungen und Ereignisse im Bildjournalismus eingehen. Den Anfang machten Rudi Meisel über das internationale Fotoprojekt „A Day in the Life of Australia" im Jahre 1980 und Wolfgang Steche über die Veränderungen in der Wirtschaftsfotografie innerhalb von fast 40 Jahren.
Analog und Digital
25 Jahre lang fotografierten VISUM-Fotografen ausschließlich mit analoger Technik. Im Jahr 2001 legten sich die ersten VISUM-Fotografen Digitalkameras zu. Für Agenturen hatte das digitale Zeitalter etwas früher begonnen, da die Scantechnik schon Jahre zuvor weit fortgeschritten war und auch nicht solche finanziellen Risiken barg, wie die digitale Aufnahmetechnik. Archive und Agenturen standen anderen Herausforderungen gegenüber. Es begann die Zeit von Parallel-Archiven. Neben den Archivschränken für Dias und Abzüge traten Festplatten für das Digitalarchiv auf den Plan. Es entstanden komplett verschiedene Distributionswege. Neben dem Postversand der Dias stand die ISDN-Bildübertragung. Heute erfolgt das Bildgeschäft ausschließlich über online recherchierbare Datenbanksysteme.
Ab dem Jahr 2001 setzten sich zunehmend die Digitalkameras durch. Viele Fotografen zögerten anfangs aber noch. Die Anschaffungskosten waren zu hoch und die Produktzyklen zu kurz. Digitalkameras kauften sich diejenigen, die die Auftragslage sicher überblicken konnten um kein finanzielles Desaster zu riskieren. Die damalige Top-Kamera von Nikon, die D1X mit 5, 47 Megapixel, kostete 2001 ca. 6500 Euro. Zum Vergleich: für eine hochwertige Consumer-Kamera mit 14 Megapixel zahlte man 2010 nicht einmal 300 Euro (rechts, Foto. Thies Rätzke).
VISUM in den 90er Jahren: das VISUM Schwarzweiss-Archiv (links), die redaktionelle Bearbeitung von Dias (rechts). Bis zur Digitalisierung war die Szene der Bildagenturen in Deutschland relativ überschaubar. Das lag nicht an der Anzahl der Fotos, sondern am enormen Aufwand, der nötig war, um eine Bildagentur zu betreiben. Zum einen waren die redaktionelle Aufarbeitung und Lagerung der Bilder sehr arbeits- und kostenintensiv. Schon bei mittelgroßen Agenturen ging die Anzahl der Bilder in die Millionen. Sehr aufwändig war das Distributionsverfahren selbst. Branchenübliche Software für Warenwirtschaftssysteme (Bilderfassung, Bildversand, Abrechnung etc.) war extrem kostspielig. Das lag daran , dass in der Bildbranche im Vergleich zu anderen Handelsbranchen keine physischen Waren verkauft werden. Die physischen Bilder wurden nur leihweise dem Kunden zur Verfügung gestellt. Verkauft wurden (und werden heute noch) Bildnutzungsrechte, die mit den Kunden einzeln vereinbart werden mußten. Der Versand der physischen Bilder ist mit der Digitalisierung weggefallen. Geblieben ist der Handel mit den Nutzungsrechten, was auch heute noch von allen Akteuren des Bildermarktes ein Fachwissen verlangt. Das analoge Bildarchiv bei VISUM wurde bis zum 1.1.2008 schrittweise aufgelöst. Ca. 1 Mio. Dias und Prints wurden an die Fotografen zurückgegeben. Viele Fotografen haben in jüngster Zeit damit begonnen, ihre analogen Archive neu zu sichten, die wichtigsten Fotos zu scannen und für die Betextung bzw. Verschlagwortung redaktionell zu bearbeiten.
Bildermasse und Bilderklasse
Mit der Digitalisierung hat die Verfügbarkeit von Fotos und die Bildermenge zugenommen. Es gibt inzwischen eine unüberschaubare Anzahl an Bilddatenbanken, deren Bildbestand täglich wächst. Hinzu kommt eine internationale Vernetzung der Bildarchive. Bildsuchende hatten niemals zuvor solche umfangreichen Recherchemöglichkeiten und niemals zuvor die Gelegenheit, so schnell an Fotos zu gelangen. Interessant ist aber auch, dass es inmitten dieser vielzitierten „Bilderflut" offensichtlich auch eine Verknappung gibt. So gab es beispielsweise während der Photokina 2006 eine Podiumsdiskussion - veranstaltet von einer Wirtschaftszeitung -, die der Frage nachging, „warum es so wenig gute Wirtschaftsfotos gibt". „Haben Fotografen Angst vor der der Wrtschaft?" wurde provokativ gefragt. Die Teilnehmer waren sich schnell einig, das keine Ängste im Spiel sind, sondern die Ursachen in den Arbeitsbedingungen der Fotografen zu suchen sind. Fotografen haben - nicht nur in der Wirtschaft - weniger Zugangsmöglichkeiten, um ihre Fotos zu machen. Viele Firmen und Institutionen agieren gegenüber der Presse im Zuge ihrer Kommunikationspolitik immer sensibler. Dazu gehört auch oft das Bedürfnis, kontrollieren zu wollen, welche Bilder gemacht werden und wie sie verbreitet werden. Fotografen benötigen Fingerspitzengefühl und Flexibilität, um trotz aller Reglementierungen spannende Bilder zu machen, die den Weg in die Medien finden.
Links: Maschinenbauer bei einer Arbeitspause, Hauni-Werke in Hamburg, 1973, Foto: Wolfgang Steche. Foto rechts: Montagearbeiten im Kraftwerk Boxberg, 2009, Foto: Jürgen Lösel. Wolfgang Steche fotografierte in den 70er und 80er Jahren in unzähligen Firmen. Eine Fotoprojekt, das vorsah, in denselben Firmen 35 Jahre später nocheinmal zu fotografieren, scheiterte daran, dass fast alle Firmen keine Fotogenehmigungen erteilten. Die Nähe zu den Arbeitern, die in Wolfgang Steches Fotos zu sehen ist, ist heute für Fotografen kaum zu wiederholen. Nicht nur wegen der Pressepolitik verschiedener Unternehmen. Auch die inzwischen viel diskutierten Fragen der Persönlichkeitsrechte halten Fotografen und Abgebildete oft auf Distanz.
Oben: Parteitage waren lange Zeit nicht nur für VISUM, sondern für alle Agenturen und freie Fotografen herausragende Veranstaltungen. Hier konnte man oft tagelang Politiker fotografieren und das Archiv mit Portraitaufnahmen auffüllen. Das besondere an diesen Events war, dass man, einmal akkreditiert, in der Regel ungehinderten Zugang zur Politprominenz bekam. Portraitaufnahmen aus nächster Nähe waren möglich. Mit den Veränderungen der Medienlandschaft haben sich auch die Parteitage verändert. Die Bildmedien werden auf Distanz gehalten. Unkontrollierte Perspektiven sollen vermieden werden. Damit hat sich auch die „Parteitagsfotografie" geändert. Fotografen suchen sich neue Motive. Sie fotografieren weniger die Politiker sondern mehr das Event und zeigen bestenfalls das, was die Veranstaltungen sind: Inszenierung von Politik. Foto links: Willy Brandt und Oskar Lafontaine im Gespräch während des SPD Parteitages in Berlin 1989, abgedruckt in der Rubrik „Bonnbons" im STERN, Foto: Alfred Büllesbach. Rechts: Frank-Walter Steinmeier lässt sich als Kanzlerkandidat von den Delegierten und vor den Objektiven der Bildmedien feiern. SPD-Parteitag 2009, Foto: Stefan Boness.
Das eigene Projekt
Neben dem Tagesgeschäft sind viele Fotografen bemüht, eigene Fotoprojekte zu realisieren. Sie bieten den Vorteil unabhängig von Auftraggebern oder sonstiger Mitsprache Dritter Themen zu verfolgen und den eigenen fotografischen Stil zu pflegen - oder ganz neue Techniken und Bildsprachen auszuprobieren. Freie Projekte haben aber auch Nachteile: sie sind kosten- und zeitintensiv. Sie sind in jeder Hinsicht unkalkulierbar. Finanziell gehen die Fotografen fast immer in Vorleistung. Veröffentlichungszusagen gibt es meistens erst, wenn die Arbeit fertig ist. Viele Fotografen organisieren Drittmittel von Sponsoren oder Stipendien, wobei diese in der Regel nur einen Teil der Kosten abdecken. Freie Projekte werden in fast allen Fällen neben den übrigen beruflichen Verpflichtungen verfolgt, was von vorne herein jegliche Planbarkeit erschwert. Man weiß in den wenigsten Fällen, worauf man sich einläßt. Sie erinnern an eine Reise, bei der sich Route und Ankunftsdatum ständig verändern. Geht zwischendurch das Geld aus oder macht einen das Tagesgeschäft unabkömmlich, kommt das Projekt ins Stocken. Kein Wunder, dass freie Projekte sich meistens über Jahre hinweg ziehen. Gibt es zwischendurch Erfolgsmomente, werden nicht selten neue Energien frei und langwierige Projekte entwickeln plötzlich eine Eigendynamik. Das Auf und Ab macht den Reiz solcher Projekte aus. Findet ein Projekt einen erfolgreichen Abschluß durch eine große Veröffentlichung, durch Buch oder Ausstellung, kann man Jahre davon zehren. Die publizistische Bedeutung dieser Projekte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie geben Zeitschriften- und Buchverlagen die Möglichkeit, Arbeiten zu publizieren, die sie selbst aus Kosten- und Zeitgründen niemals hätten in Auftrag geben können. Die Funktion der freien Autoren als Ideenlieferanten spiegelt sich oftmals leider nicht in der Wertschätzung und Honorierung wieder.
Oben: Beispiele freier Fotoprojekte. ---- Dirk Reinartz fotografierte über Jahre hinweg die Stätten der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 1994 erschien das Buch "totenstill". Die gleichnamige Ausstellung wurde - und wird bis heute - weltweit gezeigt. Kaum ein anderer deutscher Fotograf hat sich so intensiv mit dem Holocaust auseinandergesetzt. ---- Der Fotograf Christoph Keller suchte neue Perspektiven auf die so oft fotografierte Stadt Hamburg und fand sie in seinem Projekt „Hamburger Aussichten". Er ging in unzählige Wohn- und Bürogebäude, Verkehrsbauten und Industrieanlagen und fotografierte die Stadt aus der Perspektive ihrer Bewohner und Erwerbstätigen. ---- Michael Ebert entwickelte aus einem Fotoworkshop für Kinder ein Buchkonzept und realisierte es mit seinen Fotos und Texten. ---- Die freien Fotoprojekte von Stefan Boness haben meistens ein Architekturthema zum Inhalt, wie die italienischen Bauten der 30er und 40er Jahre in Asmara, der Hauptstadt Eritreas. In Kürze erscheint ein viertes Buch von Stefan Boness, Thema: Bauhaus-Architektur in Tel Aviv. ---- Tomasz Tomaszewski thematisierte die prekäre Lebenssituation ehemaliger Landarbeiter staatseigener Agrarbetriebe in Polen. Trotz demokratischer und wirtschaftlicher Umstürze wurden sie zu Verlierern. Das brisante Thema und die bewegenden Fotos veranlassten National Geographic Polen ausnahmsweise Konventionen zu verlassen: sie druckten 2008 Tomaszewskis Schwarzweiss-Dokumentation auf 39 Seiten. Die Arbeit erschien auch als Buch und wurde in Ausstellungen gezeigt. ---- Sich als Künstler mit berühmten Kollegen auseinanderzusetzen, ist an sich eine besondere Situation und sicherlich die existenziellste Form des Künstlerporträts. Birgit Kleber hat internationale Fotografen porträtiert, die für die Geschichte der Fotografie prägend sind und deren Bilder das Sehen auf die Welt verändert haben. Ihr Buch "Photographers" mit 55 Portraits erschien 2011.
Bernd Arnold beschäftigt sich seit rund 25 Jahren mit den Mächtigen. Sein Zyklus „Macht und Ritual" zeigt Inszenierung und Selbstinszenierung der Repräsentanten von Staat, Gesellschaft und Religion. Seine Arbeit „Kölner Heil" (als Buch 1997 erschienen) beschäftigte sich mit dem Rheinischen Katholizismus. Weitere Teile des Zyklus sind die Wahlkampfrituale, Eros, Television und Wirtschaft. "Macht und Ritual" wird seit Jahren weltweit in Ausstellungen gezeigt. Die Arbeit „Wahlkampfrituale" erscheint demnächst als Buch mit den Bundestagswahlkämpfen seit 1987. ---- Peter Duddek fotografiert Stadtportraits in Norddeutschland und arbeitet dazu Buchkonzepte aus. Auf Verlagsangebote muß er nicht warten. Seit Jahren verlegt er seine Bücher erfolgreich selbst. ---- Dirk Vogel fand die treibenden Personen des DDR-Mauerfalls zu wenig gewürdigt. In seinem Fotoprojekt 20 Jahre nach der friedlichen Revolution hat er 63 von ihnen portraitiert. Seine „Gesichter der friedlichen Revolution" erschien 2011 als Buch und Ausstellung. ---- Alfred Büllesbach setzte seine Landschaftsfotografie für ein politisches Thema ein. Er fotografierte ehemalige Schlachtfelder in Europa. Seine Arbeit "Battlescapes", 2009 als Buch und in Ausstellung veröffentlicht, ist ein Plädoyer für den Wert eines modernen Europas ohne Kriege.
Gruppenprojekte
Fotografen arbeiten in der Regel alleine. Außerdem stehen sie oft in Konkurrenz zueinander. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es oftmals das Bedürfnis gibt, mit Kollegen zusammenzuarbeiten und sich auszutauschen, ohne den Zwängen des Alltags unterworfen zu sein. Aber auch eine ganz andere Idee ist offenkundig: in einer Gruppe lassen sich fotografische Projekte realisieren, die ein Einzelner niemals angehen könnte. VISUM-Fotografen wurden und werden oft eingeladen, sich an Gruppenprojekten zu beteiligen. Mehr noch: sie initiieren selber welche.
Oben: Es ist das härteste Pferderennen der Welt. Ausgetragen wird es inmitten einer Stadt. Und: es dauert nur 90 Sekunden. Das Palio in Siena zu fotografieren ist eine echte Herausforderung. Das Magazin SPORTS schickte 1987 fünf VISUM-Fotografen in die Toskana für eine große Fotoreportage über das Rennen. Foto ganz oben rechts: neben der SPORTS-Autorin Beatrice Schlag die VISUM-Fotografen, v.l.: Jo Röttger, Rudi Meisel, Gebhard Krewitt, Michael Lange und Wolfgang Steche. Zum Rennen selbst: der Jockey ist unwichtig, das Pferd muß durchkommen. Beim Palio kämpfen die Stadtteile gegeneinander.
Oben: 1988, im 25. Jahr der Fussballbundesliga, schickte SPORTS wieder mehrere VISUM-Fotografen zusammen für eine Fotoreportage los. Sie sollten "Ein Tag im Leben der Bundesliga" fotografieren. Nicht das Geschehen auf dem Spielfeld, sondern das abseits des Rasens. Foto links: Nachzählen der Stadioneinnahmen in Nürnberg. Foto rechts: HSV-Stürmer Heinz Gründel auf dem Weg vom Spielfeld zur Kabine. Ein Tunnel aus Plexiglas trennt ihn von Fans oder unerwünschten Körperkontakt. Die Tunnel in den Stadien waren eine Auflage des DFB nachdem Fans Schiedsrichter und gegnerische Spieler tätlich angegriffen hatten.
Oben: "A Day in the Life of Australia" war 1981 der Auftakt einer ganzen Buchreihe, die enorm erfolgreich war. Das Konzept klingt einfach: die besten Fotografen der Welt fotografieren alle zusammen an einem Tag in einem Land. Nach Australien folgten u.a. Japan, Kanada, Irland, USA u.a.. Für das erste Projekt wurden auch die beiden VISUM-Fotografen Gerd Ludwig und Rudi Meisel eingeladen. Rudi Meisels Thema in Australien war der Alltag von Truckern, den Fahrern der sogenannten Roadtrains. Seine Hubschrauberaufnahme machte noch lange nach dem Fotoprojekt viel Freude: es wurde unzählige Male nachgedruckt, u.a. in einer KODAK-Anzeige. Rudi Meisel hat neulich seine Erinnerungen an das Australien-Projekt im VISUM-Blog veröffentlicht.
Oben: 2006 nahmen VISUM-Fotografen ein aktuelles Ereignis zum Anlass für ein Gruppenprojekt: der Papst besuchte Deutschland. Es war schon auffallend: Millionen kamen zum Papst, aber die Kirchen blieben Sonntags leer. Mit dem Projekt "Gott in Deutschland" wollten VISUM-Fotografen in mehr als 20 Reportagen, Essays und künstlerischen Arbeiten die so unterschiedlichen Aspekte der christlichen Kirchen in Deutschland zeigen. Themen waren u.a. Bibel TV, Jahrmarktspfarrerin, Kirchenasyl, Konfirmation, Osterreiten und Sterbehospiz. Veröffentlicht wurden die Arbeiten in einem selbst herausgegebenen Magazin und in Ausstellungen. Links: ein Foto aus der Serie "Antlitz der Besinnung" von Peter Duddek. Seine Portraits betender Menschen entstanden in einem Gebetskreis in Westerstede. Rechts: Thomas Kabel ist Pastorentrainer. In seinen Seminaren lernen Kirchen-Männer und Frauen, wie man eine Gemeinde im Gottesdienst nicht nur durch das Wort begeistert. Ausdruck, Gesten und Körpersprache kann man lernen. Der Fotograf Jörg Müller beobachtete das Training.
Oben: Die Fotografen-Vereinigung Freelens organisierte 2010 ein Gruppenprojekt, das es in diesem Ausmaß bislang noch nicht gegeben hatte. 432 Fotografen fotografierten am 7. Mai 2010 „Ein Tag Deutschland". Herausgekommen ist ein 640 Seiten dicker Bildband sowie eine Wanderausstellung. Mitfotografiert haben auch viele VISUM-Fotografen, darunter Thies Rätzke, der in einer Fahnenfabrik in Pinneberg auf das Titelmotiv stieß (links) und Rolf Nobel, der die Fertigung von Schiffsschrauben in einer Fabrik in Waren an der Müritz dokumentierte (rechts).
Oben: Hamburger VISUM-Fotografen begannen 2010 mit einem gemeinsamen Projekt, das langfristig angelegt ist. Sie wollen fortlaufend Themen in Hamburg und über Hamburg fotografieren. Für die Veröffentlichung der Arbeiten wurde ein eigenes Forum gegründet: das Online-Magazin "hamburg-visuell". Die Gruppe nutzt so die neuen elektronischen Möglichkeiten des Publizierens. Es ist aber keine Absage an Print. Ein gemeinsames Buchprojekt wurde soeben begonnen. Rechts: Zweikampf beim Wrestling. Ein Foto aus der Serie "Hamburger Eventkultur" von Ralf Niemzig. Mehr Infos: www.hamburg-visuell.de
Die VISUM Fotoschule
„Über Fotografie zu reden ist das Grundmuster unserer Fotografengruppe", erinnert sich Rudi Meisel. „Schon im Studium an der Essener Folkwangschule bei Otto Steinert beugten wir uns in wechselnden Zusammensetzungen über unsere Schwarzweiß-Themen, kritisierten Härte und Korn, unterschiedliche Nachbelichtungen, eine zu weite oder enge Auswahl, fehlende Nahbilder oder Übersichten, Mängel in der Komposition, oder einfach nur langweilige Wiederholungen. Korrektur geben nennen wir es seitdem: die beste Geschichte auf den Kontaktbögen anzukreuzen, eine Dramaturgie von Portrait, Detail und Übersicht im Gespräch zu finden, und am Ende die fertigen Prints auszuwählen."
Im Jahre 37 ihres Bestehens gründet VISUM 2011 eine Fotoschule. Das Bedürfnis und die Bereitschaft sich über Fotografie auszutauschen war unter den VISUM-Fotografen schon immer stark ausgeprägt. Nicht wenige VISUM-Fotografen nahmen im Laufe ihrer Karriere einen Lehrauftrag an einer Hochschule an. Um eine Fotoschule zu gründen, bedurfte es aber einer weiteren Entwicklung: die digitale Fotografie. Mit der anhaltenden Verbreitung der digitalen Fotografie finden Menschen Zugang zu diesem Medium, die sich vorher dafür wenig oder gar nicht interessiert haben. Auch beschränkt sich das Interesse nicht nur auf den rein technischen Aspekt des Fotografierens. Mit den Möglichkeiten, Bilder auch selber publizieren zu können, sei es im Internet, sei es als Fotobuch gibt es auch ein breiteres Interesse an publizistischen und konzeptionellen Fragen. VISUM mit seinem großen Netzwerk an Fotografen vereinigt Kompetenzen in den unterschiedlichsten Fragen der Fotografie. Was liegt näher, sie zusammenzubringen: diejenigen, die Erfahrung haben und diejenigen, die sich über Erfahrungen austauschen wollen. Mit der Fotoschule hat VISUM ein Forum geschaffen für den Austausch und gegenseitiger Inspiration.
VISUM - Über uns.
Zeitgeschichte und Mediengeschichte im Spiegel der Agentur VISUM. Der Beitrag wird fortgesetzt.
© Fotos: wie angegeben, sonst VISUM
© Text: VISUM; Autor: Alfred Büllesbach, 2011
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