Fritz Pölking: Am Puls des Lebens

Fritz Pölking: Am Puls des Lebens
„Am Puls des Lebens“ zeigt Momente in der Natur, die von allen Künsten nur die Naturfotografie so festhalten kann. Nur sie kann das Spektakel der Wirklichkeit, wie etwa die Essenz von Bewegung, sichtbar machen. Das macht sie einmalig und unverwechselbar.
Die folgenden Seiten zeigen solche Augenblicke aus der Natur: spannende, schöne, humorvolle, informative oder dramatische. Natur lebt im Augenblick. Vergangenheit betriff sie nur, soweit sie sie geformt und verändert hat. Das Leben in der Natur ist Gegenwart, und daher wie kaum etwas anderes geeignet, um mit dem Medium Fotografie festgehalten zu werden.
Der Naturfotograf als Journalist mit der Kamera ist in der Lage dies schnell, korrekt, nuanciert und gestaltend zu tun. Wir brauchen Aufnahmen wie diese, um uns ein zutreffendes Bild vom Leben in der Wirklichkeit zu machen. Sie zeigen uns, welch ein grandioses Spektakel das Leben ist, und – dass die Dinge des Lebens sich wiederholen. Diese Bilder zeigen den Teil im Alltag des Lebens, der keine Nachrichten produziert. Deshalb gibt es diese Fotografien aus der Natur, die uns erfreuen, erstaunen oder entsetzen, denn sie sind ein wichtiges Regulativ zu den ´manipulierten Bildern und verstümmelten Wahrheiten´, mit denen wir oft bedient werden.
Die Bilder evozieren die wirkliche Welt und im Kontext mit den Texten und zusätzlichen, das Thema umkreisenden fotografischen Miniaturen zeigen sie den Pulsschlag des Lebens in seiner – faszinierenden – Mechanik, und sie bestätigen was man im Laufe der Jahre erahnt, erfühlt und entdeckt hat: Es bleibt schwierig, und – die Natur ist ein Geschenk an die Fotografie. Malerei, Musik und Literatur können vieles besser ausdrücken als die Fotografie, aber als Schilderer des Momentes, der Gegenwart in der Natur, ist die Fotografie unschlagbar.Fritz Pölking in seinem Vorwort zu "Am Puls des Lebens"
Schade... (zu Bild Nr. 06)
Womit haben Sie das Bild gemacht? Wenn man dann antwortet: ´Mit einer XYZ und einem Zoom 80-200 mm ´, was sagt das und was beweist es? Wenn man etwa im Ngorongoro Crater Elefanten im Morgennebel fotografieren will, dann muss man ein Zelt mitbringen und im Crater zelten, damit man zum Morgennebel dort ist. Wenn man in einer Lodge auf dem Craterrand übernachtet, dann ist der Morgennebel schon lange verflogen, wenn man unten ankommt. So einfach ist das. Wenn man dann vor den Elefanten im Morgennebel steht, ist es völlig gleichgültig, ob man einen Canon EOS-3 benutzt, eine Nikon F-100 oder eine Minolta-, Leica oder Pentax-SLR. Gute Fotos machen zu können setzt voraus, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und – sein Handwerkszeug zu beherrschen. Eine angesehene Kunstgalerie veranstaltete vor einigen Jahren eine Ausstellung mit 60 Bildern eines bekannten Naturfotografen. Als ein Kunde die Ausdrucksstärke der Fotografien lobte, antwortete die Galeristin freudestrahlend: ´Ja, nicht war, die hat er aber auch alle mit der Minolta 9000 auf Kodachrome-25 gemacht´. Was ja wohl übersetzt heißt: Eigentlich ist dieser Naturfotograf ein Vollidiot, aber weil er eine Minolta 9000 hat und auf Kodachrome-25 fotografiert, gelingen ihm halt´ gute Bilder´. – Intelektueller Höhenflug...
Der magische Moment (zu Bild Nr. 04)
Aktionsfotografie gegenüber habe ich immer etwas ambivalente Gefühle. Sie kommen beim Betrachter meistens gut an, und wenn sie gut sind, sind sie emotional. Aber – es gibt nur den einen, magischen Moment. Wenn man ihn verpaßt – Endsville. Er kommt niemals wieder.
Daher liebe ich eigentlich mehr die Nahfotografie in der Natur. Man hat hierbei alle Zeit der Welt und kann ein Bild weitgehend nach seinen Vorstellungen gestalten, was in der Aktionsfotografie nur sehr eingeschränkt möglich ist. Hier bei diesem Bild war ich auf Sealion Island auf den Falkland Inseln und sah diesen kleinen Einfarb-Uferwipper zwischen den See-Elefanten laufen und deren Körper nach Parasiten absuchen. Plötzlich stand er vor einem dieser Kolosse und wollte Parasiten an seiner Nase abpicken. Es war plötzlich einer dieser Momente da, auf den wir Naturfotografen ja immer warten und nach dem wir suchen, der magische Qualitäten hat. Ganz klar, dies war die klassische David und Goliath-Situation, komprimiert als Bildaussage auf den Punkt. Nichts fehlte und nichts war zu viel da um abzulenken, um das Bild zu verwässern oder geschwätzig zu machen. Fünf Sekunden – dann war alles vorbei, aber der emotionale und magische Moment war festgehalten.Glücklich (zu Bild Nr. 22)
Leopardenfotografie macht depressiv. Man wartet den ganzen Tag zwischen Büschen, Bäumen und Gräben, das er sich bewegt. Aber er bleibt versteckt, weil er genau weiß, das alle Tiere warnen, sobald er sich sehen lässt. Erst in der – fotografisch gesehen – letzten Minute vor der Dunkelheit wird er aktiv. Aber dann ist es oft zu spät für gute Fotos. Gepardenfotografie dagegen macht heiter. Geparde sind den ganzen Tag über in der offenen Savanne und liegen gerne weithin sichtbar auf Termitenhügel. Wenn sie jagen, dann für den Naturfotografen gut sichtbar in freundlichem Gelände. Es macht Spaß, Geparde aufzunehmen.
Sie sind die schnellsten Säugetiere der Welt, mit rund 120 km in der Stunde auf kurzer Strecke. Allerdings ist so ein ´fliegender´ Gepard nicht so leicht zu bekommen, weil er meistens erst gemächlich losgeht, und erst auf den letzten Metern diese schwebende Position einnimmt. Sechs Wochen Gepardenfotografie – ohne andere Motive – von 6.00 Uhr am Morgen bis 6.00 am Abend waren nötig, um dieses Bild zu bekommen.König der Arktis (zu Bild Nr. 13)
Die etwa 2.000 Eisbären von Spitzbergen können 50-80 km in 24 Stunden wandern, und nutzen ein Gebiet von über 1.000 km in der Diagonalen im Laufe eines Jahres. Sie fürchten sich manchmal überhaupt nicht vor Menschen, und auf Spitzbergen darf man nicht ohne Gewehr wandern, was aber nicht unbedingt Sicherheit verspricht. Denn gegen einen plötzlich auf einen einzelnen oder auf eine Gruppe Menschen los rennenden Eisbären richtet auch ein Gewehr nicht viel aus. Daher gibt es auf Spitzbergen drei gute Ratschläge: 1. Wenn ein Eisbär kommt, veranlasse einen Bekannten davonzulaufen, dann wird der Eisbär ihn verfolgen und nicht Dich. 2. Eisbären essen immer erst die Köpfe der Menschen, daher wird es nicht lange weh tun. 3. Wenn Sie mit einem Freund alleine wandern, dann ziehen Sie gute, schnelle Turnschuhe an. Sie werden dadurch nicht schneller als der Eisbär sein, aber vielleicht schneller als ihr Freund... Richtig belichtete Eisbärenfotos macht man übrigens, in dem man entweder auf den Eisbären misst und eine Blende öffnet, oder auf den ihn umgebenden Schnee und dann 1.5 bis 2 Blenden öffnet – und dann natürlich zur Belichtung das manuelle Belichtungsprogramm nimmt, und nicht eine Belichtungsautomatik, die auch reagiert, wenn sie nicht soll.